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Frauenpower auf dem Hof

2026 ist das Internationale UNO-Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen – ein guter Anlass, um vier Frauen zu besuchen, die mit Leidenschaft, Kompetenz und Herzblut einen Bauernhof und Agrotourismus-Betrieb führen.

Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen ausgerufen. Ihr Ziel: die zentrale Rolle der Frauen in der Landwirtschaft weltweit sichtbarer zu machen und ihre unverzichtbaren Leistungen für Ernährungssicherheit, ländliche Entwicklung und die Gesellschaft zu würdigen. Denn obwohl Frauen einen grossen Teil der landwirtschaftlichen Arbeit leisten, sind sie in der Öffentlichkeit oft wenig präsent.

Frauen bewegen die Landwirtschaft – auch in der Schweiz

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: In der Schweiz sind 37 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Frauen – ein beachtlicher Anteil. Und doch werden nur 7,7 % der Betriebe von einer Frau geleitet. Zum Vergleich: In Österreich führen Frauen 36 % der landwirtschaftlichen Betriebe, in Frankreich immerhin 24,5 %. Die Schweiz hat also noch Luft nach oben, doch die Entwicklung geht in die richtige Richtung. (Quelle: Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID). 

Unser Tipp: Passend zum UNO-Jahr läuft im Freilichtmuseum Ballenberg die Sonderausstellung «Frauen in der Landwirtschaft: gestern – heute – morgen», die den Alltag und die Leistungen der Bäuerinnen und  Landwirtinnen in den Fokus rückt. Der Landwirtschaftliche Informationsdienst LID hat die Ausstellung konzipiert und gemeinsam mit dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband SBLV und dem Freilichtmuseum Ballenberg realisiert. Ein Besuch lohnt sich!

Vier Frauen, zwei Höfe, eine Leidenschaft

Wir haben vier Frauen befragt, die den Agrotourismus in der Schweiz aktiv mitgestalten: Brit Eli Stuber und Nadine Stuber vom Hof zur Linde in Attiswil (BE) sowie Madeleine Bachmann und ihre Tochter Tanja vom Wydhof in Flaach (ZH). Allen vier haben wir dieselben Fragen gestellt und spannende, persönliche Antworten und Einblicke erhalten:

Wie sind Sie zum Agrotourismus gekommen?
Brit Eli Stuber vom Hof zur Linde erinnert sich gut: Es waren Weiterbildungkurse an landwirtschaftlichen Schulen, die ihr die Augen öffneten. Als das Stöckli auf dem Hof frei wurde, sah sie ihre Chance. Mit finanzieller Unterstützung durch das Projekt Regionale Entwicklung (PRE) konnte der historische Spycher renoviert werden, 2019 kam eine zweite Ferienwohnung dazu. Erster Gast war im Sommer 2002 ein zehnjähriger Bub mit seinen Grosseltern aus der Region. «Er war begeistert, hatte bei uns viele Aha-Erlebnisse und kehrt im nächsten Jahr zurück», erzählt Brit Eli.

Madeleine Bachmann vom Wydhof hingegen sah im Agrotourismus von Anfang an eine Möglichkeit, ein eigenes wirtschaftliches Standbein auf dem Hof aufzubauen. Und damit auch soziale Absicherung zu gewinnen, die in der Landwirtschaft früher keineswegs selbstverständlich war.

Was suchen Gäste heute auf Ihrem Bauernhof?
Die Antworten der vier Gastgeberinnen zeigen ein klares Bild: Gäste suchen Echtheit, den Einblick in den Bauernalltag. Den Kontakt zu Tieren, die Stille, die frische Luft. Und Menschen, die ihnen offen begegnen. «Einige suchen den Kontakt zu den Tieren und Aktivitäten wie die Mithilfe auf dem Hof. Andere geniessen die Landluft mit einem Buch im Garten», sagt Brit Eli Stuber. Viele Stammgäste kehren Jahr für Jahr zurück, manche feiern inzwischen ihr zehnjähriges «Jubiläum» auf dem Hof zur Linde. Das grösste Kompliment für Brit Eli: wenn ein Stammgast bei Ankunft sagt «Es ist wie wieder nach Hause zu kommen». 

Was die Zukunft des Agrotourismus betrifft, sind sich alle einig: Es wird immer wichtiger, der Bevölkerung den Zugang zur Landwirtschaft zu ermöglichen. «Als Gegenpol zu ihrem oft hektischen Alltag suchen die Leute etwas Bodenständiges, Authentisches», sagt Brit Eli. Madeleine Bachmann sieht den Trend zur Professionalisierung: «Die Ansprüche der Gäste steigen. Wer erfolgreich sein will, muss investieren – in Infrastruktur und in Qualität.»

Was motiviert Sie, was fordert Sie heraus?
Tanja Bachmann, die den Wydhof als Betriebsleiterin führt, nennt eine grosse Herausforderung: Als Frau in einem von Männern geprägten Umfeld musste sie sich anfangs stärker behaupten als ihr männlichen Kollegen. «Inzwischen habe ich einige Jahre Berufserfahrung und fühle mich als Frau gleichwertig», sagt sie heute. Teilzeitlich arbeitet sie zudem im Bereich der landwirtschaftlichen Ausbildung – auch dort sind Frauen noch in der Minderheit.

Für Brit Eli Stuber ist der Agrotourismus weit mehr als ein Zusatzeinkommen: «Ich habe damit mein eigenes Standbein auf dem Bauernhof aufbauen können.» Die Möglichkeit, Menschen aus aller Welt zu begegnen, das Verständnis zwischen Stadt und Land zu fördern und die eigene Lebensart weiterzugeben – das treibt sie an. Die grössten Hürden beim Einstieg? Gesetzliche Anforderungen wie das Raumplanungsgesetz und die Lebensmittelverordnungen.

Madeleine Bachmann ergänzt mit einer goldenen Regel: «Man muss Menschen mögen.» Sie teilt ihr Haus, ihr Grundstück, einen Teil ihres Lebens und erlebt darin eine grosse Bereicherung. «In der persönlichen Begegnung mit meinen Gästen höre ich spannende Lebensgeschichte», sagt sie.

Wie sehen Sie die Frauen in der Landwirtschaft heute und morgen?
«Die Landwirtschaft der Zukunft braucht die Erfahrungen, das Wissen und das Engagement von Frauen.» Besonders im Agrotourismus, in der Direktvermarktung und in der Bio-Landwirtschaft sind Frauen heute erfolgreich tätig und bringen neue Ideen ein. «Gleichberechtigung und bessere Chancen für Frauen stärken nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die gesamte Gesellschaft», so ihr Fazit.


Zwei Höfe, die einen Besuch lohnen

In Flaach, mitten im Zürcher Weinland, führt Tanja Bachmann den Wydhof als Betriebsleiterin, während sich ihre Mutter Madeleine vor allem um die Gäste kümmert. Im liebevoll eingerichteten Bungert-Hüsli erwartet Paare ein naturnahes Erlebnis, während das Gästehaus mit Schlafen im Stroh, Familien- und Mehrbettzimmern Familien, Gruppen und Schulklassen eine erlebnisreiche Auszeit bietet. Morgens wartet ein hausgemachtes Buurezmorge, abends eine Feuerstelle unter dem Sternenhimmel.

Der Hof zur Linde im bernischen Attiswil ist ein stattlicher Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert. Gastgeberin Brit Eli Stuber bietet hier zwei Ferienwohnungen für bis zu 6 Personen an: das charmante, zweistöckige «Stöckli 1747» und den «Spycher», ein geschütztes Baudenkmal, das die Stubers 2019 sorgfältig renoviert haben. Das Wohlfühlangebot «NaturWellness» mit Hot Pot, Sauna, Barfussweg und Kräutergarten ist ein weiteres Highlight für Erholungssuchende.


Noch mehr Frauenpower auf Schweizer Höfen

In unserem Angebot finden Sie viele weitere Bauernhöfe, die von Frauen geführt oder massgeblich mitgeprägt werden. Hier eine Auswahl: